Bemaßter Grundriss: was drinsteht und wie Sie ihn lesen
Maßketten, kleine Fünfen, lichte Maße und Rohbaumaße verständlich erklärt, und warum die Maße im Plan noch nicht die Wohnfläche sind
Bemaßter Grundriss: mehr als eine hübsche Raumaufteilung
Wer eine Immobilie verkaufen, kaufen, finanzieren oder umbauen will, stößt früher oder später auf die Frage nach dem bemaßten Grundriss. Gemeint ist ein Plan, auf dem nicht nur zu sehen ist, wo Küche, Bad und Schlafzimmer liegen, sondern auch, wie lang jede Wand und wie groß jeder Raum ist. Viele Eigentümer haben so einen Plan irgendwo im Ordner, können ihn aber nur zur Hälfte lesen: Was bedeutet die kleine Fünf hinter 1,68? Warum stimmen die Zahlen nicht mit der Wohnfläche im Kaufvertrag überein?
Dieser Beitrag erklärt Schritt für Schritt, welche Angaben in einen Grundriss mit Maßen gehören, wie Sie einen Grundriss lesen und seine Maßketten verstehen, was lichte Maße von Rohbaumaßen unterscheidet und warum die Wohnfläche eine Rechnung nach festen Regeln ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Maßketten zeigen Längen von Wänden, Räumen und Öffnungen. Ab einem Meter steht die Zahl in Metern, darunter in Zentimetern, die hochgestellte Ziffer sind Millimeter.
- Lichte Maße sind nicht Rohbaumaße: Alte Bauzeichnungen messen oft das Mauerwerk ohne Putz, die Wohnfläche richtet sich nach den fertigen Oberflächen.
- Wohnfläche ist eine Rechnung nach Regeln: Dachschrägen, Balkone und Keller werden nach der Wohnflächenverordnung anders oder gar nicht angerechnet.
Was ist ein bemaßter Grundriss?
Ein Grundriss ist die Draufsicht auf eine Etage, so als hätte man das Haus in etwa einem Meter Höhe waagerecht aufgeschnitten und von oben hineingeschaut. Ein bemaßter Grundriss ergänzt diese Ansicht um Zahlen: Maßketten entlang der Wände, die Abmessungen jedes Raums und in der Regel auch die Raumfläche in Quadratmetern.
Grundriss ohne und mit Maßen
Für ein Inserat reicht manchen Lesern ein Plan ohne Maße. Er zeigt die Raumaufteilung, Türen, Fenster und Raumnamen und beantwortet die Frage: Wie lebt es sich hier? Ein Grundriss mit Maßen beantwortet zusätzlich die Frage: Passt das? Passt das Sofa an die Wand, der Esstisch in die Küche, das Bett unter die Schräge?
Zu unterscheiden ist außerdem zwischen einer Bauzeichnung und einem Exposé-Grundriss. Die Bauzeichnung entsteht für den Bauantrag oder die Bauausführung, enthält viele technische Angaben und ist für Fachleute gemacht. Der Exposé-Grundriss ist eine aufgeräumte Darstellung für Interessenten: gut lesbar, mit Raumnamen und Flächen, aber ohne Anspruch, eine Bauvorlage zu ersetzen.
Was in einen bemaßten Grundriss gehört
Welche Angaben ein Plan enthält, hängt von seinem Zweck ab. Die folgende Übersicht zeigt, was Sie in einem guten Grundriss mit Maßen erwarten können und wie die Angaben typischerweise aussehen.
| Angabe | Was sie zeigt | So sieht sie oft aus |
|---|---|---|
| Maßkette außen | Gesamtlänge einer Hausseite und ihre Teilstücke | 36⁵ | 3,48⁵ | 11⁵ | 3,00 … |
| Raummaße | Länge und Breite eines Raums | 3,00 × 3,20 oder 3,00/3,20 |
| Raumfläche | Grundfläche des Raums in m² | 9,60 m² |
| Öffnungsmaße | Breite und Höhe von Türen und Fenstern | Breite über, Höhe unter der Maßlinie |
| Brüstungshöhe | Abstand der Fensterunterkante zum Boden | BRH 90 |
| Wandstärken | Dicke von Außen- und Innenwänden | 36⁵ außen, 11⁵ innen |
| Maßstab und Nordpfeil | Verkleinerung des Plans und Himmelsrichtung | 1:100, Pfeil mit N |
Maßketten an Außen- und Innenwänden
Eine Maßkette ist eine Reihe von Einzelmaßen, die hintereinander an einer Linie stehen und zusammen die Gesamtlänge ergeben. An der Außenwand beginnt sie meist mit der Wandstärke, dann folgt der erste Raum, die nächste Innenwand, der nächste Raum und so weiter. Ganz außen steht häufig eine zweite Kette mit dem Gesamtmaß der Hausseite. Der Vorteil: Sie können jede Teillänge nachrechnen. Stimmt die Summe der Teilmaße mit dem Gesamtmaß überein, ist der Plan an dieser Stelle in sich schlüssig.
Raumnamen und Raumflächen
Jeder Raum trägt einen Namen und meist seine Fläche in Quadratmetern. In älteren Bauzeichnungen stehen statt der Fläche oft nur die beiden Raummaße mit Schrägstrich, etwa „KÜCHE 3,00/3,20“. Die Fläche ergibt sich dann aus Länge mal Breite, hier 9,60 m². Bei Räumen mit Ecken, Erkern oder Schrägen wird die Fläche in Teilflächen zerlegt.
Türen, Fenster und Brüstungshöhe (BRH)
Türen erkennen Sie am Viertelkreis, der zeigt, wohin das Türblatt aufschlägt. Fenster sind als Unterbrechung der Wand mit dünnen Linien gezeichnet. In Bauzeichnungen stehen an den Öffnungen zwei Zahlen: die Breite über und die Höhe unter der Maßlinie. Bei Fenstern kommt häufig die Brüstungshöhe hinzu, abgekürzt BRH. Sie gibt an, wie hoch die Fensterunterkante über dem Fußboden liegt.
Wandstärken, Treppe, Nordpfeil und Maßstab
Wandstärken verraten viel über ein Haus: Dicke Außenwände und schmale Innenwände sind auf jedem Plan gut zu unterscheiden. Treppen werden mit ihren Stufen und einem Lauflinienpfeil dargestellt, der in Richtung aufwärts zeigt. Der Nordpfeil zeigt die Himmelsrichtung und damit, welche Räume Morgen- oder Abendsonne bekommen.
Der Maßstab sagt, wie stark der Plan verkleinert ist. Bei 1:100 entspricht ein Zentimeter auf dem Papier einem Meter in der Wirklichkeit. Ein Hinweis aus der Praxis: Sobald ein Plan kopiert, gescannt oder auf ein anderes Papierformat gedruckt wurde, stimmt der Maßstab oft nicht mehr. Lesen Sie Maße deshalb immer an den eingetragenen Zahlen ab und nicht mit dem Lineal auf dem Papier.
Grundriss lesen: Maßketten, Meter und die kleine 5
Die Bemaßung in Bauzeichnungen folgt einer festen Konvention, beschrieben in der Norm DIN 1356-1. Wer sie einmal kennt, liest jeden Plan schneller:
- Ab einem Meter stehen Maße in Metern: 3,00 bedeutet 3 m, 1,01 bedeutet 1,01 m.
- Unter einem Meter stehen Maße in Zentimetern: 88⁵ bedeutet 88,5 cm, 36⁵ bedeutet 36,5 cm.
- Die hochgestellte Ziffer steht für Millimeter: In der Praxis ist es fast immer eine 5, also ein halber Zentimeter. 1,68⁵ sind 1,685 m.
Im Beispiel oben steht „ARBEITEN 3,48⁵/2,50“. Der Raum ist also 3,485 m lang und 2,50 m breit. Rechnet man nach, ergibt sich eine Grundfläche von rund 8,71 m². Bei der Speisekammer kommen 3,00 m mal 1,685 m auf rund 5,06 m².
Breite über, Höhe unter der Maßlinie bei Öffnungen
Bei Türen und Fenstern stehen zwei Zahlen übereinander an der Öffnung. Oben steht die Breite, unten die Höhe. Eine Tür mit 88⁵ über und 2,01 unter der Linie ist also im Rohbau 88,5 cm breit und 2,01 m hoch. Diese Werte beschreiben die Öffnung im Mauerwerk, nicht das Türblatt und nicht die lichte Durchgangsbreite nach dem Einbau der Zarge.
Rechnen Sie die Kette im zweiten Plan einmal nach: 0,365 + 3,485 + 0,115 + 3,00 + 0,115 + 2,40 + 0,365 ergeben 9,845 m. Genau dieses Nachrechnen ist der schnellste Plausibilitätstest für jeden bemaßten Grundriss.
Lichte Maße, Rohbaumaße und Baurichtmaße
Drei Begriffe sorgen beim Lesen von Plänen regelmäßig für Verwirrung. Sie beschreiben unterschiedliche Zustände desselben Bauteils.
Rohbaumaß
- Maß des Baus ohne Putz und Bekleidung, also Mauerwerk zu Mauerwerk
- Steht häufig in Bauzeichnungen für den Bauantrag und die Ausführung
- Fällt bei Räumen etwas größer aus als das fertige Maß
Lichtes Maß
- Abstand zwischen den fertigen Oberflächen, etwa Putz zu Putz
- Maßgeblich für die Grundfläche nach § 3 Abs. 1 WoFlV
- Das Maß, das Sie mit dem Zollstock in der fertigen Wohnung messen
Das Baurichtmaß ist ein Rastermaß aus der Planung. Nach der Maßordnung im Hochbau, DIN 4172, beruht es auf einem Raster von 12,5 cm, einem Achtelmeter. Aus diesem Raster werden die tatsächlichen Rohbaumaße abgeleitet: Ein Außenmaß, etwa eine Wandlänge oder Wanddicke, ist ein Vielfaches von 12,5 cm minus 1 cm für die Fuge. Ein Öffnungsmaß, etwa eine Tür- oder Fensteröffnung, ist ein Vielfaches von 12,5 cm plus 1 cm.
Warum alte Pläne oft Rohbaumaße zeigen
Daraus erklären sich die krummen Zahlen auf vielen alten Plänen. Eine Außenwand mit 36,5 cm sind drei Rasterschritte minus 1 cm, eine Innenwand mit 11,5 cm ein Rasterschritt minus 1 cm. Eine Öffnung mit 1,01 m sind acht Rasterschritte plus 1 cm, eine mit 88,5 cm sieben Rasterschritte plus 1 cm. Wenn Sie solche Zahlen sehen, haben Sie es sehr wahrscheinlich mit Rohbaumaßen zu tun.
Was Putz und Fliesen an der Fläche ändern
Nach § 3 Abs. 1 WoFlV ist die Grundfläche nach den lichten Maßen zwischen den Bauteilen zu ermitteln, und zwar ab der Vorderkante der Bekleidung. Putz und Fliesen machen einen Raum also etwas kleiner als sein Rohbaumaß. Ein angenommenes Beispiel: Trägt der Putz auf jeder Wandseite einen Zentimeter auf, wird aus einem Raum mit 4,00 m mal 3,00 m im Rohbau ein Raum mit 3,98 m mal 2,98 m. Die Fläche sinkt von 12,00 m² auf rund 11,86 m². Über eine ganze Wohnung summiert sich das.
Die frühere Zweite Berechnungsverordnung hat dem Rechnung getragen: Wer dort die Grundfläche aus Rohbaumaßen ermittelte, musste sie nach § 43 Abs. 3 II. BV a. F. um 3 Prozent kürzen. Den damaligen Wortlaut gibt das Merkblatt 685 der Architektenkammer Baden-Württemberg wieder, siehe Quellen. Die Wohnflächenverordnung kennt diese Pauschale nicht mehr. Sie verlangt die lichten Maße.
Nach § 3 Abs. 4 WoFlV darf die Grundfläche durch Ausmessen im fertigen Wohnraum oder anhand einer Bauzeichnung ermittelt werden, die für ein bauordnungsrechtliches Verfahren angefertigt wurde oder dafür geeignet wäre und die lichten Maße erkennen lässt. Wurde abweichend von der Zeichnung gebaut, ist die Grundfläche neu zu ermitteln, durch Ausmessen oder anhand einer berichtigten Zeichnung. Ein alter Plan ist deshalb ein guter Ausgangspunkt, aber kein Beweis für den heutigen Zustand.
Wohnfläche ist nicht gleich Grundfläche
Die Maße im Grundriss liefern Grundflächen. Die Wohnfläche ist daraus erst nach Regeln abzuleiten, die festlegen, welche Flächen voll, anteilig oder gar nicht zählen. Wichtig dabei: Verbindlich vorgeschrieben ist die Wohnflächenverordnung nur, wenn nach dem Wohnraumförderungsgesetz gerechnet wird. Für frei finanzierten Wohnraum gibt es keine verbindliche Berechnungsvorschrift. In der Praxis begegnen Ihnen deshalb Berechnungen nach der Wohnflächenverordnung, nach der früheren Zweiten Berechnungsverordnung oder nach der DIN 277.
Wohnfläche nach der Wohnflächenverordnung
Die Wohnflächenverordnung (WoFlV) regelt in den §§ 2 bis 4, was zur Wohnfläche gehört und wie die Grundflächen angerechnet werden:
| Fläche | Anrechnung nach WoFlV |
|---|---|
| Lichte Höhe ab 2 m | vollständig |
| Lichte Höhe von 1 m bis unter 2 m, etwa unter Dachschrägen | zur Hälfte |
| Lichte Höhe unter 1 m | nicht angerechnet |
| Unbeheizbarer Wintergarten, Schwimmbad und ähnliche geschlossene Räume | zur Hälfte |
| Balkon, Loggia, Dachgarten, Terrasse | in der Regel zu einem Viertel, höchstens zur Hälfte |
| Keller, Waschküche, Heizungsraum, Garage und andere Zubehörräume | gehören nicht zur Wohnfläche |
Auch innerhalb eines Raums gibt es Feinheiten. Nach § 3 Abs. 2 WoFlV zählen zum Beispiel Fuß- und Sockelleisten, fest eingebaute Badewannen, Duschwannen und Herde sowie Einbaumöbel mit zur Grundfläche. Außer Betracht bleiben nach § 3 Abs. 3 WoFlV unter anderem Schornsteine, Vormauerungen, Bekleidungen, freistehende Pfeiler und Säulen, wenn sie höher als 1,50 m sind und mehr als 0,1 m² Grundfläche haben, außerdem Treppen mit mehr als drei Steigungen samt ihren Absätzen sowie Türnischen.
Ein Beispiel aus dem Plan oben: Die Terrasse hat eine Grundfläche von 13,50 m². Wird sie, wie in der Regel üblich, zu einem Viertel angerechnet, fließen rund 3,38 m² in die Wohnfläche ein.
Grundflächen nach DIN 277
Die DIN 277 in der Ausgabe von 2021 regelt Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau. Sie arbeitet mit Begriffen wie Brutto-Grundfläche (BGF), Konstruktions-Grundfläche (KGF) und Netto-Raumfläche (NRF). Die Netto-Raumfläche setzt sich aus Nutzungsfläche (NUF), Technikfläche (TF) und Verkehrsfläche (VF) zusammen. Den Begriff Wohnfläche kennt die Norm nicht. Sie dient vor allem Planung und Kostenermittlung. Weil sie zum Beispiel Flächen unter Dachschrägen nicht nach der Raumhöhe kürzt, liegt eine Fläche nach DIN 277 meist über der Wohnfläche nach WoFlV.
Ältere Berechnungen nach der II. BV
Viele Bestandsimmobilien haben eine Wohnflächenberechnung aus der Zeit vor 2004. Nach der Überleitungsvorschrift in § 5 WoFlV bleibt es bei einer Berechnung, die bis zum 31. Dezember 2003 nach der Zweiten Berechnungsverordnung erstellt wurde. Erst wenn danach baulich so verändert wird, dass neu berechnet werden muss, gilt die Wohnflächenverordnung. Zwei Zahlen für dieselbe Wohnung können also beide nachvollziehbar sein, wenn sie nach unterschiedlichen Regeln entstanden sind.
Wofür Sie einen bemaßten Grundriss brauchen
Exposé und Inserat
Viele Interessenten schauen sich den Grundriss schon vor der Besichtigung genau an. Sie wissen, ob die Räume zu ihrem Leben passen. Mit Maßen und Raumflächen beantworten Sie viele Fragen, bevor sie gestellt werden. Welche weiteren Unterlagen Sie für den Verkauf bereithalten sollten, zeigt die Checkliste Unterlagen für den Hausverkauf; wann im Verkauf das Exposé entsteht, erklärt der Ratgeber zum Ablauf des Immobilienverkaufs. Zu den Pflichtunterlagen beim Verkauf gehört außerdem der Energieausweis.
Auch bei der Vermietung hilft ein Plan mit Maßen. Die Wohnfläche steht in vielen Mietverträgen, und die ortsübliche Vergleichsmiete wird je Quadratmeter angegeben, wie der Mietspiegel Hamm zeigt. Hinweise zum Inserat finden Sie im Ratgeber Wohnung vermieten.
Bank und Finanzierung
Bei einer Immobilienfinanzierung prüft die Bank nicht nur Einkommen und Eigenkapital, sondern auch das Objekt. Auf Unterlagenlisten tauchen dafür häufig Grundrisse der einzelnen Geschosse, ein Schnitt, eine Wohnflächenberechnung und Fotos auf. Ob ein Exposé-Grundriss genügt oder Pläne aus der Bauakte gefragt sind, ob eine ältere Berechnung akzeptiert wird und ob die Fläche nach einer bestimmten Regel ermittelt sein soll, entscheidet die Bank im Einzelfall. Prüfen Sie deshalb beim Durchsehen Ihrer Pläne gleich, ob Maße und Flächen zum heutigen Stand passen. Dann wissen Sie, was Sie vorlegen können und wo noch etwas fehlt.
Umbau, Möbelplanung und Renovierung
Für die Planung einer neuen Küche, eines Bads oder eines Wanddurchbruchs ist ein bemaßter Grundriss die Grundlage jeder Skizze. Auch bei der Renovierung hilft er beim Kalkulieren von Bodenbelag oder Wandfarbe. Für Arbeiten, die eine Baugenehmigung brauchen, reicht ein Exposé-Grundriss allerdings nicht aus. Bauvorlagen erstellt eine bauvorlageberechtigte Person.
Woher Sie einen Grundriss mit Maßen bekommen
Für einen bemaßten Grundriss gibt es im Wesentlichen drei Wege:
- Vorhandene Pläne: In den eigenen Unterlagen, beim Voreigentümer oder in der Bauakte beim zuständigen Bauamt liegen häufig die Pläne aus dem Bauantrag. Wie Sie an alte Pläne kommen und sie nutzbar machen, erklärt unser Ratgeber Grundriss digitalisieren.
- Selbst aufmessen: Mit Zollstock oder Laser messen Sie Raum für Raum und tragen die Maße in eine Skizze ein. Eine Muster-Skizze zum Aufmessen finden Sie kostenlos in unseren Vorlagen.
- Zeichnen lassen: Aus einer Skizze oder einem alten Plan entsteht ein sauberer, gut lesbarer Plan.
Für den dritten Weg bieten wir einen eigenen Service an. Sie können Ihren bemaßten Grundriss aus Ihrer Skizze zeichnen lassen: Mit Paket Plus enthält der Plan Maßketten und die Fläche jedes Raums, dazu eine Flächenaufstellung nach den Regeln der WoFlV, ab 49 € für die erste Etage, Lieferung in der Regel 2 bis 4 Werktage nach Bestellung. Die Maße übernehmen wir aus Ihren Unterlagen. Eine Messung vor Ort findet nicht statt, die Maße gelten deshalb ohne Gewähr.
Unsere Einschätzung
Ein bemaßter Grundriss ist kein Selbstzweck. Er macht ein Haus vergleichbar und schafft Vertrauen, weil Interessenten Räume und Flächen selbst nachvollziehen können. Gerade beim Verkauf lohnt es sich, die Flächenangaben vorab zu prüfen: Stammen sie aus Rohbaumaßen, aus einer alten Berechnung oder aus der Wirklichkeit? Wer das weiß, vermeidet Rückfragen in der Besichtigung und Diskussionen beim Preis.
Denn die Fläche ist einer der wichtigsten Faktoren für den Wert einer Immobilie, wie unser Ratgeber Immobilienwert ermitteln zeigt. Wenn Sie wissen möchten, was Ihre Immobilie heute am Markt erzielen kann, erhalten Sie bei uns eine kostenlose Marktpreiseinschätzung.
Quellen & Rechtsgrundlagen
- § 1 WoFlV: Anwendungsbereich der Wohnflächenverordnung
- § 2 WoFlV: Zur Wohnfläche gehörende Grundflächen, Zubehörräume
- § 3 WoFlV: Ermittlung der Grundfläche nach lichten Maßen
- § 4 WoFlV: Anrechnung der Grundflächen
- § 5 WoFlV: Überleitungsvorschrift für Berechnungen nach der II. BV
- DIN 277:2021-08: Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau
- DIN 1356-1: Bauzeichnungen, Arten, Inhalte und Grundregeln der Darstellung
- DIN 4172: Maßordnung im Hochbau (Erläuterung)
- Architektenkammer Baden-Württemberg, Merkblatt 685: Wohnflächenverordnung, Abgrenzung zu II. BV und DIN 277, mit dem Wortlaut von § 43 II. BV a. F. (3 Prozent Kürzung bei Rohbaumaßen)
Stand: Oktober 2026. Beispielpläne: eigene Zeichnungen ohne Kundendaten. Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Was ist ein bemaßter Grundriss?
Ein bemaßter Grundriss ist eine Draufsicht auf eine Etage, in der neben Wänden, Türen und Fenstern auch die Maße eingetragen sind: Maßketten an den Wänden, die Längen und Breiten der Räume und meist die Fläche jedes Raums. Ein reiner Raumaufteilungsplan zeigt dagegen nur, wie die Räume liegen, aber nicht, wie groß sie sind.
Wie lese ich die Maße im Grundriss, zum Beispiel 1,01 oder 3,48⁵?
In Bauzeichnungen stehen Maße ab einem Meter in Metern, kürzere Maße in Zentimetern. 1,01 bedeutet also 1,01 m, 88⁵ bedeutet 88,5 cm. Die kleine hochgestellte Ziffer gibt Millimeter an, in der Praxis fast immer eine 5 für einen halben Zentimeter: 3,48⁵ sind 3,485 m. Bei Türen und Fenstern steht die Breite über der Maßlinie und die Höhe darunter.
Was ist der Unterschied zwischen lichten Maßen und Rohbaumaßen?
Rohbaumaße beschreiben den Bau ohne Putz und Bekleidung, so wie das Mauerwerk steht. Lichte Maße sind die Abstände zwischen den fertigen Oberflächen, also von Putz zu Putz oder von Fliese zu Fliese. Für die Wohnfläche nach der Wohnflächenverordnung zählen die lichten Maße. Ältere Bauzeichnungen enthalten oft Rohbaumaße, die etwas größer ausfallen.
Was bedeutet BRH im Grundriss?
BRH steht für Brüstungshöhe. Gemeint ist die Höhe der Fensterunterkante über dem Fußboden. BRH 90 heißt zum Beispiel, dass die Fensteröffnung 90 cm über dem Boden beginnt. Die Angabe hilft bei der Möbelplanung, etwa wenn eine Arbeitsplatte oder ein Heizkörper unter das Fenster soll.
Kann ich die Wohnfläche einfach aus den Maßen im Grundriss ausrechnen?
Die Grundfläche eines rechteckigen Raums ja, Länge mal Breite. Die Wohnfläche ist aber nicht einfach die Summe der Grundflächen, sondern das Ergebnis von Anrechnungsregeln. Nach § 4 der Wohnflächenverordnung zählen Flächen mit mindestens 2 m lichter Höhe voll, Flächen zwischen 1 m und 2 m zur Hälfte, Flächen unter 1 m gar nicht. Balkone, Loggien, Dachgärten und Terrassen werden in der Regel zu einem Viertel angerechnet, höchstens zur Hälfte. Keller und andere Zubehörräume gehören nicht dazu.
Ist die Wohnfläche dasselbe wie die Nutzfläche nach DIN 277?
Nein. Die DIN 277 regelt Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau und unterscheidet etwa Brutto-Grundfläche, Netto-Raumfläche und Nutzungsfläche. Den Begriff Wohnfläche kennt die Norm nicht. Sie kürzt zum Beispiel Flächen unter Dachschrägen nicht nach der Raumhöhe, während die Wohnflächenverordnung sie nur zur Hälfte oder gar nicht anrechnet. Eine Fläche nach DIN 277 ist deshalb meist größer als die Wohnfläche derselben Wohnung.
Braucht die Bank einen bemaßten Grundriss?
Für die Prüfung einer Immobilienfinanzierung gehören Grundrisse und Flächenangaben häufig zu den Unterlagen. Welche Unterlagen genau verlangt werden und in welcher Form, legt jede Bank selbst fest. Fragen Sie die Unterlagenliste früh an.
Kann ich einen bemaßten Grundriss selbst erstellen?
Ja. Mit Zollstock oder Laser-Entfernungsmesser messen Sie Raum für Raum die lichten Maße von Wand zu Wand und tragen sie in eine Skizze ein, dazu Türen, Fenster und die Lage der Räume zueinander. Messen Sie jede Wand einzeln und notieren Sie die Maße direkt an der Linie. Eine Muster-Skizze mit Kästchenraster finden Sie kostenlos in unseren Vorlagen.